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Mukti Datta - Wie alles begann

Mukti Datta, halb Belgierin, halb Inderin hat es mit viel Ausdauer und Diplomatie geschafft, eine seit Generationen von Männern dominierte Sozialstruktur aufzubrechen und den Frauen einer ganzen Region Arbeit, Würde und Mut zur Selbstbestimmung zu geben.

Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1986 an einem Ort namens Binsar, das im Herzen von Kumaon liegt.

Die tobenden Waldbrände, unkontrolliertes Fällen von Bäumen und das Wildern im Binsar Forst, einem Ort mit einzigartiger Biovielfalt, veranlassten Mukti, damals ein junges Mädchen von 23 Jahren, einen Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi zu schreiben. Sie plädierte dafür, das Gebiet zu einem kontrollierten Tierschutzgebiet zu machen. Als der Ministerpräsident persönlich und ermutigend auf den Brief antwortete, wuchs ihr Optimismus ins Grenzenslose und sie startete eine Kampagne um die Situation in Binsar entscheidend zu verbessern. Dieses mühselige Unterfangen hatte von Anfang an den Rückhalt der dort ansässigen Bewohner, die ihrerseits über die fragwürdigen Praktiken der Lokalpolitiker verstimmt waren. Sie unterstützten Muktis Bemühungen und gründeten die Organisation, Jan Jagaran Samiti (Gesellschaft zur Ermächtigung der Bevölkerung). Mit Hilfe einer kleinen finanziellen Unterstützung vom Ministerium für Forstwirtschaft war es möglich für die Bewohner von einigen Dörfern um Binsar, junge Bäume in das …dland der Umgebung zu pflanzen und allmählich ein Umweltbewusstsein in der Bevölkerung der Region zu wecken. Schließlich führte der unerbittliche Druck von Jan Jagaran Samiti dazu, dass Binsar 1988 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Im Rahmen des Binsar Projekts, kam die Erkenntnis, dass die indischen Bergfrauen, die ganze Verantwortung für die Tierhaltung, die Landwirtschaft und den Haushalt trugen. Sie waren diejenigen, die meilenweit in den Wald gingen, um Brennholz zu fällen, Futter zu sammeln und das Vieh zu weiden. Eine erschöpfende, unproduktive Arbeit für die die Frauen meistens mit Nichtbeachtung und Misshandlung belohnt wurden. †ber einen alternativen Lebensunterhalt, der nicht nur den Forst rettet, sondern auch die Frauen stärkt, mußte nachgedacht werden.

1990 offenbarte sich eine Lösung aus einer unerwarteten Richtung. . Als Mukti während des Festivals von Nanda Devi an der Grenze nach Tibet mit einigen nomadischen Hirtenfreunden ihrer Familie zeltete, traf sie Kunthi Martiola, eine bemerkenswerte Frau aus dem Sauka Bhotia Stamm.
Die Bhotias sind ehemalige Trans-Himalaya Händler und haben bis zur Schließung der Handelswege durch China im Jahr 1965, zahlreiche Handelsexpeditionen in der wilden Ngari Region von Tibet unternommen: Mit Pony und Ziegen Karawanen, beladen mit Gewürzen, Rohrzucker (Jaggery), Tee und Stoffen reisten sie zu den berühmten Handelsmessen von Gyanima, Gartok und Purang in Tibet. Zurück über die hohen Pässe mit Salz, Borax, Schafswolle, Pashminawolle und Goldstaub.

Kunthi war eine der seltenen Meisterweberinnen der exklusiven Pashmina Tücher, für welche die Region Johar in alten Tagen berühmt war. Mukti sprach mit ihr über die Lebensbedingungen der Dorffrauen und davon, wie wunderbar es wäre, wenn sie die verlorene Kunst des Spinnens und Webens erneut lernen könnten. Die Idee von den webenden Frauen war geboren.

Leider war aufgrund der Einstellung des Handels mit Tibet keine Pashminawolle vorrätig und sie mussten das Trainingsprogramm mit der lokalen groben Schafswolle starten. Das Projekt erhielt eine kleine Unterstützung des Ministeriums für Frauen und Kinder. Circa 100 Frauen nahmen an der Ausbildung teil. Jedoch ohne die Pashminawolle, die aus den Standard Produkten Luxusprodukte machen würde, schien das Projekt in eine Sackgasse zu geraten.

1995 wurde dank der auftauenden Beziehungen zwischen Indien und China der Pass Lipu Lekh zwischen Kumaon und Tibet für den Handel wiedereröffnet. Kunthi und die Meisterweber, die inzwischen für einen monatelangen Treck von 450 km über die hohen Pässe zu alt waren, drängten Mukti, eine Trans-Himalaya Handelsgenehmigung zu beantragen. Sie tat es und so kam es dazu, dass Mukti und zwei weitere junge Frauen eine Reise in Richtung Tibet im August 1995 unternahmen.

Nach vielen Abenteuern gelang es den Frauen endlich 500 Kilo Pashmina von den Chapka Nomaden aus dem Kailasch Mansarovar Plateau zu erwerben. Damit wurden zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Handelskontakte geknüpft, die noch heute bestehen. Pashmina änderte drastisch die Arbeit der Weberinnen aus der Johar Region, von der gewöhnlichen zur hocheleganten Ware.

 
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